Anja Schneider
Maria Noth • Fernando Sánchez Castillo • Martina de Maizière

 

Unerhört leise! Erinnern. Wirken. Weitertragen.

Ein Wiedersehen nach zehn Jahren gab es auch mit unserem allerersten Stipendiaten aus dem Jahr 2015, Fernando Sánchez Castillo. Mit seiner Installation "Unerhört leise!", bestehend aus 5.000 Figuren einer Frau, die eine Kerze abstellt, sowie einem Morsezeichen-Licht im Hauptraum der Frauenkirche, wurde das 20-jährige Jubiläum der Weihe des wiederaufgebauten Sakralbaus begangen. Die Installation richtet den Blick auf unser aller Befähigung, im Miteinander Mut zu schöpfen und Veränderungen anzustoßen. Sie erinnert daran, dass Wandel oft "unerhört leise" beginnt. Die immer neue Gesamtform macht sichtbar, wie persönliche Beiträge ein kollektives Bild prägen – ein offenes Denkmal für demokratisches Handeln und den Mut, sich einzumischen.

 

Stille Gesten

Fernando Sánchez Castillo präsentierte in der Unterkirche der Frauenkirche eine Installation aus 5.000 Frauenfiguren: Sie knien und stellen Kerzen ab. Eine unerhört leise Geste, die an den 13. Februar 1982 erinnert, als junge Menschen an der Ruine der Kirche mit Kerzen stillen Protest wagten.

Wortlos war dieser Akt des Aufbegehrens – und dennoch unüberhörbar. Daher verdichten sich die Figuren Sánchez Castillos in seiner künstlerischen Interpretation zu einem kraftvollen Bild für Zivilcourage und die politische Wirkung scheinbar kleiner Handlungen.

Doch der Künstler beließ es nicht bei einer Rückschau. Vielmehr lud er die Besucher*innen ein, das Kunstwerk fortzuschreiben: Indem jede*r eine Figur mitnehmen konnte und gebeten war, im Austausch einen Gedanken zu hinterlassen, wandelte sich die Arbeit fortwährend und trug ihre Botschaft weiter.

 

Aus Klangspuren werden Lichtzeichen

Mit einer zusätzlichen Lichtinstallation übersetzte Fernando Sánchez Castillo den Gesang der Menschen von 1982 in heute sichtbare Signale: Eine Glühbirne, inspiriert von Picassos »Guernica«, sendete in Morsezeichen die Botschaft »We shall overcome«. Wie das gesungene Lied setzte auch das flackernde Licht einen stillen Impuls, der zum Nachdenken anregte und die Kraft gemeinsamer Hoffnungen sichtbar machte. So wurde hörbare Solidarität in ein leuchtendes Zeichen übersetzt, das für sich stand und zugleich die Atmosphäre der Figureninstallation begleitete.

 

Ausstellungsdauer:

21. Oktober bis 19. November 2025

Frauenkirche Dresden

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Anja Schneider

Über FERNANDO
SÁNCHEZ CASTILLO

Fernando Sánchez Castillo (*1970, Madrid) arbeitet an der Schnittstelle von Kunst, Geschichte und politischer Symbolik. Er untersucht, wie Macht und Erinnerung in Monumenten und öffentlichen Ritualen sichtbar werden, und entwickelt Installationen, Skulpturen und Performances, die historische Narrative befragen. Seine Arbeiten waren in Museen und Biennalen weltweit zu sehen, darunter Tate Modern London, MoMA PS1 New York und Albertinum Dresden.

fernandosanchezcastillo.com

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