Fatma Bucak

In der Ausstellung "While the Dust Quickly Falls - Während der Staub schnell fällt" fordert uns die Künstlerin Fatma Bucak, Stipendiatin des 3. Internationalen Kunststipendiums, zum Nachdenken darüber auf, welchen beschleunigenden Einfluss politische Gewalt auf die Zerstörung von Lebensräumen und den Klimawandel hat.

Für die recherchebasierte Ausstellung unternahm Fatma Bucak mit Unterstützung der Stiftung Kunst & Musik für Dresden Feldforschungen im gesamten Mittelmeerraum. Die Ausstellung bewegt sich durch unterschiedliche geografische Gebiete – Ostanatolien, die Golanhöhen, Damaskus, Sardinien, Bagdad und Istanbul – die durch die katastrophalen Auswirkungen von Konflikten und Kriegen auf ihre ökologischen Lebensräume miteinander verbunden sind. In ihren neuen Werken aus diesem Jahr, beispielsweise A Tree – eine Arbeit, die aus tausenden Elementen von verbrannten organischen Überresten der Waldbrände im letzten Sommer im Mittelmeerraum besteht – beschäftigt sich die Künstlerin mit gefährdeten und ausgestorbenen Pflanzen und Perspektiven jenseits des Menschlichen. Nach diesen verheerenden Bränden wurden große Bodenflächen unfruchtbar – eine Transformation, die im Mittelpunkt der gesamten Ausstellung steht. In der Klanginstallation Numbing silence covers us like fine dust eröffnet Bucak die politischen Implikationen dieser Brände und die Geräusche der Leere, die in der kargen Erde widerhallen. Sum of the misdeeds and consents and cowardly acts zeigt zehn im Irak beheimatete und nun vom Aussterben bedrohte Vögel in Bronze gegossen. Ihre Form basiert auf einem uralten mesopotamischen ‚Entengewicht‘, das während des Krieges vor zwei Jahrzehnten aus dem Irak geplündert wurde. Ein lebendiges Pflanzen-Archiv zeigt Hunderte von Giftpflanzen, die im Laufe der Geschichte in kleinen Mengen jedoch auch zur Heilung menschlicher Krankheiten verwendet wurden.

Die Ausstellung vereint sechs eigens für das Projekt entwickelte raumgreifende Installationen mit drei früheren Werken. Das Projekt ist Bucaks erste Einzelausstellung in Deutschland und umfasst ein lebendiges Environment sowie Video, Skulptur, Mosaik und Klangarbeiten.

Fatma Bucaks in Zusammenarbeit mit dem Kunsthaus Dresden entwickeltes Projekt gewann 2020 die Ausschreibung des Italian Council (9th Edition, 2020), einem Programm zur Förderung der zeitgenössischen italienischen Kunst weltweit, initiiert durch die Generaldirektion für zeitgenössische Kreativität (Directorate-General for Contemporary Creativity) des italienischen Ministeriums für Kulturerbe, Aktivitäten und Tourismus (Italian Ministry of Cultural Heritage and Activities and Tourism). Die neuen Werke werden nach der Dresdner Ausstellung in die ständige Sammlung des MAMbo – Museo d‘Arte Moderna in Bologna aufgenommen.

 

Ausstellungsdauer:

11. Juni bis 2. Oktober 2022

Kunsthaus Dresden – Städtische Galerie für Gegenwartskunst

Eröffnung: 10. Juni 2022 | 18.00 Uhr

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Fatma Bucak
"They burned it all", 2022
Anja Schneider
"Perpetual lure and insistent fear", 2022

Über FATMA BUCAK

N. Gokhan Yorganci
Fatma Bucak wurde in der Türkei geboren und studierte Philosophie an der Universität Istanbul, Kunstgeschichte und Radierung in Turin an der Albertina Academy of Fine Arts, bevor sie ihren Master in Fotografie am Royal College of Art in London abschloss. Sie lebt und arbeitet in London und Istanbul.
 
In ihrer Arbeit untersucht sie die Fragilität, Spannung und Unumkehrbarkeit von Geschichte, die Macht von Zeugnissen und Erinnerung und hinterfragt traditionelle Formen der Geschichtsschreibung sowie kulturelle und geschlechtsspezifische Normen.

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