18.08.2015 10:00

Internationales Kunststipendium

Fernando Sánchez Castillo (rechts) beim Aufbau der 5.000 Tank Men im Dresdner Albertinum. Foto: Jürgen Lange, SKD

Der 1970 in Madrid geborene Künstler Fernando Sánchez Castillo hat im Juli seinen Dresden-Aufenthalt im Rahmen des Internationalen Kunststipendiums der Stiftung Kunst & Musik für Dresden begonnen. “Wir freuen uns, dass Fernando Sánchez Castillo unser Stipendium angenommen hat und bis Dezember in Dresden leben und arbeiten wird”, so Dr. Ralf Lunau, Vorsitzender des Stiftungsrates. “Ziel des Stipendiums ist es, aktuelle künstlerische Positionen von außen nach Dresden zu holen und so zur Vernetzung der Kunststadt auf internationaler Ebene beizutragen.”

Die Stiftung vergibt das „Artist-in-Residence-Stipendium“ in diesem jahr zum ersten Mal. Es richtet sich ausschließlich an Künstler aus dem Ausland. Eine Fachjury wählte Fernando Sánchez Castillo aus. In Spanien gehört er zu den wichtigsten Künstlern seiner Generation, in Deutschland ist sein Werk noch wenig bekannt. Der Künstler untersucht, wie kulturelle Erinnerung entsteht, wie sich gesellschaftliche und politische Macht formiert und welche Rolle historische Mythen dabei spielen. Er nutzt den öffentlichen Raum als Leinwand und Katalysator für seine Kunst. Über die Medien Film, Skulptur und Performance sucht er den Dialog mit seinem Publikum. “Dresden wird sich gerade als vielfältig interpretierter Erinnerungsort dem kritischen Auge und kreativen Geist des Künstlers stellen müssen,” sagt Martina de Maizière, Vorstand der Stiftung, und ergänzt: “Wir möchten den künstlerischen Schaffensprozess für die Öffentlichkeit sichtbar machen.” Die Präsentation der entstanden Arbeiten ist ausdrücklich Ziel des Stipendiums. Die Stiftung wird dabei mit dem Künstler und mit Kulturpartnern vor Ort kooperieren. Derzeit ist im Lichthof des Albertinums seine Installation “Made in China” zu sehen: Fernando Sánchez Castillo ließ in China 5000 grüne Plastemännchen nach der Fotografie des als “Tank Man” bekannt gewordenen Mannes fertigen, der sich 1989 beim  Aufstand auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking den Panzern entgegenstellte.

Die Stiftung Kunst & Musik für Dresden fördert den Künstler mit einem monatlichen Stipendium und stellt ihm kostenfrei ein Atelier sowie eine Wohnung zur Verfügung. Das Atelier befindet sich im "Kunstraum geh8", so dass Sánchez Castillo Anschluss an eine lebendige Dresdner Künmstlergemeinschaft haben wird.

Fernando Sánchez Castillo möchte sich den Stadtraum in Dresden erschließen: “Dresden ist bereit dafür, mehr zeitgenössische Kunst auf öffentlichen Plätzen zuzulassen. Die Vision, eine Stadt zu entwickeln, in der Kunst und Natur auf einzigartige Weise zusammenwirken, hat hier eine große Tradition. Daran möchte ich anknüpfen, denn öffentliche Kunst erzeugt eine Diskussion darüber, welche Möglichkeiten Dialog in sich birgt. Ich erhoffe mir von meinem Aufenthalt, dass ich Menschen involvieren kann und dass wir durch Strategien zeitgenössischer Kunst gemeinsame Situationen gestalten können. Ich interessiere mich nicht für einen persönlichen Stil, denn jedes Projekt und jeder Ort erfordert spezifische Herangehensweisen. In neue Projekte beziehe ich immer eine große Bandbreite von Techniken und Kulturschaffende ein.“

Die gemeinnützige Stiftung Kunst & Musik für Dresden wurde 2012 von der Landeshauptstadt Dresden errichtet, um als unabhängiger Förderer von Musik, zeitgenössischer Kunst und kultureller Bildung Akzente in der Elbestadt zu setzen und die internationale Wahrnehmung Dresdens als Kulturmetropole zu stärken. Die Stiftung bündelt privates Engagement und ist Plattform eines überregionalen Netzwerkes, das sich für Kunst und Kultur in Dresden einsetzt. Im Frühjahr 2015 hat der Stiftungsrat Förderungen in Höhe von 70.000 € für insgesamt acht Projekte beschlossen.

Die Jury zum International Kunststipendium:

  • Dr. Hedda im Brahm-Droege, stellv. Vorsitzende im Aufsichtsrat der Droege Group, Mitglied der Gesellschaft der Freunde der Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen e.V. und Kunstsammlerin

  • Prof. Dr. Hartwig Fischer, Generaldirektor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden

  • Prof. Dr. Christoph Grunenberg, Direktor der Kunsthalle Bremen (Vorsitzender der Jury)

  • Ralf Lehmann, Galerist, Dresden

  • Prof. Dr. Martin Roth, Mitglied des Stiftungsrates und Direktor des Victoria and Albert Museums, London

  • Klaus F. K. Schmidt, Vorsitzender des Stiftungskuratoriums und Kunstsammler

    Einladung:

    Am Donnerstag, den 27. August 2015, um 18:30 Uhr findet im Albertinum ein Künstlergespräch in englischer Sprache mit Fernando Sánchez Castillo statt. Bereits ab 18:00 Uhr wird zu einem informellen Apéro im Lichthof des Albertinums eingeladen.

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