22.12.2015 09:29

Sánchez Castillo zieht Bilanz

"Tank Man" am Auswandererkai in Bremen, Foto: Ute Meckbach

Fernando Sánchez Castillo lebte im Rahmen des Internationalen Kunststipendiums der Stiftung Kunst & Musik für Dresden von Juli bis Dezember 2015 in unserer Stadt. Vor seiner Rückkehr nach Spanien reflektiert er seinen Aufenthalt:

"Es fällt mir schwer, meinen sechsmonatigen Aufenthalt in Dresden in einigen wenigen Zeilen zusammenzufassen. Vor allem, weil mich die Intensität und Komplexität der Stadt Dresden nach wie vor sehr beschäftigt. Ich wurde von der Stiftung Kunst & Musik für Dresden eingeladen und hatte die großartige Chance, die vielfältige sächsische Kunstgeschichte kennenzulernen. Dass Fremde in Dresden willkommen geheißen und dass ihre Perspektiven über die Zeiten hinweg geschätzt wurden, hat mich freudig überrascht.

Trotz vieler Zerstörungen der Stadt durch physische und ideologische Kämpfe, vom 17. Jahrhundert bis heute, haben die Bürger stets danach getrachtet, eine ästhetische, eine schöne Stadt zu errichten, die Wissenschaftler, Künstler und Menschen unterschiedlichster Couleur anzieht. Besonders in Dresden hat sich gezeigt, dass Kunst helfen kann, einen neuen und besseren Menschen zu schaffen, der politischen Desastern und Kriegskonflikten mit Mitmenschlichkeit begegnet. Kunst ist ein Medium, über das die Menschheit über Zeiten, Orte und Kulturen hinweg kommunizieren kann.

Für die Zukunft der Stadt wünsche ich, dass die Menschen die lange einzigartige Tradition weiterführen, Zufluchtsort und Heimat für Menschen aus aller Welt zu sein: für eine offene, bessere Gesellschaft. Ich hoffe, dass ich meinen eigenen kleinen Stein in der Geschichte der Stadt hinterlassen kann, neben vielen anderen. Ein Stein an einem Ort, an dem Menschen gemeinsam aufstehen, um eine Heimat für alle zu bauen.

Den Herrnhuter Stern nehme ich mit, wohin ich auch gehen werde. Jetzt scheint er in meiner Heimatstadt Madrid. Er scheint als ein Zeichen dafür, dass ich Teil einer lebendigen Gemeinschaft geworden bin und dafür, dass ich die Botschaft der Kunst weitergeben werde. Die Botschaft, die wir über Grenzen hinweg miteinander teilen."

Auf ein sichtbares Resümee der Stipendienzeit darf die Dresdner Öffentlichkeit sich im Jahr 2016 freuen. Dann nämlich wird Fernando Sánchez Castillo sich mit einem eigens für Dresden konzipierten Kunstwerk in unserer Stadt präsentieren. "Eine öffentlichen Präsentation mit Arbeiten unseres Stipendiaten ist ausdrücklich Ziel des Stipendiums," so Stiftungsvorstand Martina de Maizière.

Bereits während seines Dresden-Aufenthaltes hatte das Albertinum Fernando Sánchez Castillos Installation “Made in China” gezeigt: Der Künstler ließ in China 5000 grüne Plastemännchen nach der Fotografie des als “Tank Man” bekannt gewordenen Mannes fertigen, der sich 1989 beim Aufstand auf dem Platz des Himmlischen Friedens in Peking den Panzern entgegenstellte. Jeder, der einen Gedanken zu Menschenrechten und Demokratie auf einem so genannten ‚Post-it‘ an der Wand hinterließ, durfte einen „Tank Man“ mitnehmen und war dazu eingeladen, diesen in seiner neuen Umgebung zu fotografieren.

Eine Fortsetzung wird das Stipendium, das aller zwei Jahre an einen Bildenden Künstler vergeben wird, im Jahr 2017 erfahren. Im kommenden Jahr vergibt die Stiftung ein Künstlerstipendium an einen Sänger oder Komponisten. "Unsere Stiftung ist der zeitgenössischen Bildenden Kunst ebenso verpflichtet wie der Musik," betont Martina de Maizière. "Unsere Stipendien verdeutlichen die Vielfalt der künstlerischen Sparten und deren Miteinander auf besondere Weise."

"Tank Man", </span></span>Foto: Ute Meckbach"Tank Man", Foto: Elfriede Schneider"Tank Man", Foto: Elly Brose-Eiermann

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