08.02.2017 18:57

Monument

"Monument" von Manaf Halbouni vor der Frauenkirche

Im Rahmen von „Am Fluss / At the River“ und des Dresdner Gedenkens an die Opfer von Krieg und Gewalt wurde die große künstlerische Installation Monument mit einem Grußwort des Oberbürgermeisters der Landeshauptstadt Dresden, Dirk Hilbert, sowie einführenden Worten von Pfarrer Sebastian Feydt, Stiftung Frauenkirche Dresden, und Christiane Mennicke-Schwarz, Leiterin Kunsthaus Dresden, am 7. Februar auf dem Neumarkt eröffnet.

Mit der Skulptur des deutsch-syrischen Künstlers Manaf Halbouni, Absolvent der Dresdner Hochschule für Bildende Künste, setzt Dresden ein Zeichen für Frieden, Freiheit und Menschlichkeit.

Zum Projekt Monument

Manaf Halbounis Monument bezieht sich auf die gegenwärtige Situation in Syrien. Das Motiv der aufgerichteten Busse greift ein Bild aus Aleppo auf, das im März 2015 durch die Medien ging: Es zeigt eine Straße im Ostteil der Stadt, abgeschirmt durch drei Buswracks, die notdürftig mit Drahtseilen zwischen den Häusern verspannt wurden. Eine von unzähligen Straßensperren, die Zivilisten während der Kampfhandlungen in der Stadt errichteten, um das Leben von Menschen zu schützen. Große Teile von Aleppo, der einst lebendigen historischen Stadt, dem florierenden industriellen Herzen Syriens, liegen seit den Kämpfen in Trümmern. Auch nach dem Ende der Kampfhandlungen wird es noch Jahrzehnte dauern, bis Chaos und Zerstörungen überwunden sind und die Menschen einen Alltag ohne Angst leben können.

Der Standort Dresdner Neumarkt

Menschliches Leid und zerstörte Städte: Die aktuellen Bilder aus Syrien erinnern uns an die Folgen vergangener Kriege weltweit, und gerade ältere Menschen denken dabei an das selbst erfahrene Leid und an die unermesslichen Mühen des Wiederaufbaus in den Städten Europas nach dem Zweiten Weltkrieg. Ein halbes Jahrhundert hat es gedauert, bis die Frauenkirche in Dresden wiederaufgebaut wurde, die Spuren des mehr als siebzig Jahre zurückliegenden Krieges sind noch heute in vielen europäischen Städten ablesbar. Diese Spuren in den wieder hergestellten städtischen Strukturen und Bauten sind ein wichtiges Thema der lokalen und nationalen Erinnerungskulturen.

Der Ort für das Monument ist bewusst gewählt. Die Frauenkirche und der Neumarkt stehen heute als Symbole für den überwundenen Krieg und den Wiederaufbau – nicht nur für die Neuerrichtung von Gebäuden, sondern auch für den langen Weg zu einer Gesellschaft, in der Menschen in Frieden und Freiheit leben können. Manaf Halbouni stiftet durch die Aufstellung der drei Busse vor der Frauenkirche eine erfahrbare Verbindung zwischen den Menschen und Schicksalen im Nahen Osten und in Europa: Ihr Leid und ihre unaussprechlichen Verluste, aber auch ihre Hoffnung auf Wiederaufbau und Frieden. Am 13. Februar 2017 findet der Auftakt zur Menschenkette in Gedenken an die Opfer von Krieg und Gewalt der Gegenwart und der Vergangenheit mit dem Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Dresden,
Dirk Hilbert, am Monument statt.

Der Künstler Manaf Halbouni

Manaf Halbouni wurde 1984 in Damaskus, Syrien, als Sohn einer Dresdnerin und eines Damaszeners geboren und wuchs dort auf. Er studierte Bildhauerei an der Universität der Schönen Künste in Damaskus und setzte das Studium nach seinem Umzug 2008 nach Dresden an der Hochschule für Bildende Künste Dresden fort. Arbeiten des Künstlers, der sich in seinen plastischen Werken mit aktuellen politischen und gesellschaftlichen Themen wie mit dem Bürgerkrieg in seinem Heimatland Syrien auseinandersetzt, wurden bereits in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen in Deutschland, England und Frankreich gezeigt.  Derzeit sind sie auch in einer Ausstellung zum Hegenbarth-Stipendium, I know, you know (20. Januar bis 19. März 2017, mit Marie Athenstaedt) in der Städtischen Galerie Dresden, Wilsdruffer Str. 2, zu sehen.

Das Netzwerk

Zur Realisierung des Monument hat sich ein projektbezogenes Netzwerk von Partnern gebildet, deren gemeinsame Zielsetzung ein offener Diskurs im öffentlichen Raum ist:
Die Stiftung Kunst & Musik für Dresden, die Ostdeutsche Sparkassenstiftung gemeinsam mit der Ostsächsischen Sparkasse Dresden, das Militärhistorische Museum der Bundeswehr (MHM), die Kunstkommission für Kunst im öffentlichen Raum der Landeshauptstadt Dresden, und die Stiftung Osterberg für Kunst und Kultur haben mit ihrem Engagement auf unterschiedlichste Weise dazu beigetragen, dass dieses temporäre Mahnmal in Dresden umgesetzt werden kann. So hat beispielsweise das Militärhistorische Museum der Bundeswehr Dresden entscheidend zur Transportlogistik des Monuments beigetragen.

Dank geht auch an Alexander Poetzsch Architekten für die kompetente Unterstützung des Bauantrages.

Martina de Maizière, Vorstand der Stiftung Kunst & Musik für Dresden: "Manaf Halbouni stiftet mit seinem Monument vor der Frauenkirche eine weithin sichtbare Verbindung zwischen Dresden und der Welt, zwischen Geschichte und Gegenwart. Das Kunstwerk regt zum Dialog an, gerade hier und jetzt. Der Stiftung Kunst & Musik für Dresden war es wichtig, dieses mutige und öffentlich wirksame Kunstprojekt zu fördern und ein breites Netzwerk an Unterstützern zu initiieren. Wir freuen uns insbesondere über die Partnerschaft mit dem Militärhistorischen Museum der Bundeswehr. Gemeinsam werden wir einen offenen, konstruktiven Diskurs gestalten.“

 

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